Stellungnahme Andreas Salomons zu Eike Schlüter sowie dessen Antwort

Kolbermoor, 10. August 2009

Sehr geehrter Herr Schlüter,

vor wenigen Tagen wurde mir von unserem GEW-Bezirksvorsitzenden Herrn Peter Caspari eine Mail weitergeleitet, in der Sie sich unter anderem auch auf mich beziehen. Ich bin sehr verwundert, dass Sie sich mit Ihren Gedanken an die unterschiedlichsten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wenden, mich aber als eine angesprochene Person übergehen. Da ich in dem Buch „Döser und Kathrein – Profiteure der Nazis?“ von Prof. Dr. Klaus Weber, über das Sie sich auslassen, als Kreisvorsitzender der GEW das Vorwort geschrieben habe, wäre es für Sie als Journalisten doch ein Leichtes gewesen, meine Anschrift ausfindig zu machen.

Sie schreiben u.a.:

Herr Weber und Herr Salomon sind aber glücklicherweise die ersten, die mir Feigheit vorwerfen. Ich kann diesen Vorwurf umgehen, da ich im Gegensatz zu den beiden Herrn der Überzeugung bin, dass Intelligenz manchmal der bessere Ratgeber ist als blinde ideologische Verbohrtheit. Ich hätte es auch hingenommen, wenn Sie uns in dem Buch einfach nur vorgeworfen hätten, dass wir nicht über den Vortrag berichtet haben. Aber die Art und Weise, wie umfangreich und unsachlich Sie hier die ROSENHEIMER NACHRICHTEN attackieren und uns fast schon auf diene Stufe mit den Firmen OVB und Kathrein stellen, kann ich keinesfalls akzeptieren.

Dieser Passage steht kurioserweise nur ein einziger Satz gegenüber, den ich in besagtem Vorwort bezüglich der ROSENHEIMER NACHRICHTEN geschrieben habe.

Dieser Satz relativ am Schluss meiner Ausführungen lautet:

„Besonders das Verhalten der rosenheimer nachrichten, die trotz Anwesenheit von Redakteuren keinerlei Bericht brachten, ist in diesem Zusammenhang erschütternd.“

Sehr geehrter Herr Schlüter, wie kommen Sie dazu, aus dieser knappen, zweifellos sachlich richtigen Feststellung Ihre obigen Ausführungen abzuleiten? Es ist doch wohl unzweifelhaft, dass bei besagter Veranstaltung Redakteure der ROSENHEIMER NACHRICHTEN anwesend waren und dennoch nicht berichtet wurde. Ich werde doch wohl noch das Recht haben, diesen Sachverhalt als „erschütternd“ zu bezeichnen.

Sie behaupten nun:

  1. Ich hätte Ihnen Feigheit vorgeworfen.
  2. Meine Kritik sei Ausdruck von „blonder, ideologischer Verbohrtheit“.

ad 1.: Es ist absolut unrichtig, dass ich Ihnen „Feigheit“ vorgeworfen hätte. Wie kann man dies aus meinem einen Satz herauslesen? Ich habe keinerlei Mutmaßungen angestellt, warum Sie über die Veranstaltung nicht berichtet haben. Ich habe lediglich den Sachverhalt bewertet. Eine Begründung Ihrerseits war mir bislang nicht bekannt. Jetzt haben Sie eine genannt. Sie beurteilen Ihr Verhalten als Ausdruck von „Intelligenz“. Gestatten Sie mir, dass ich Ihnen da nicht folgen kann. Denn sie bieten keinerlei Begründung dafür an, wieso sie „intelligent“ gehandelt haben sollten. Möchten Sie mich also auffordern, selbst meine Schlussfolgerungen zu ziehen?

Sie behaupten also – verstehe ich Sie richtig – es sei für die ROSENHEIMER NACHRICHTEN „intelligent“ gewesen zu schweigen. Warum? Zieht die Zeitung einen Vorteil daraus, den Mund zu halten? Nun allerdings frage ich mich schon, ob hier nicht tatsächlich ein gerüttelt Maß an Feigheit eine Rolle spielt. Was haben Sie zu verlieren? Was befürchten Sie? Sie sprechen nebulös von einer „schwierigen Situation“. Worin besteht diese?

Ich denke, als Journalist sind hohe Erwartungen an Sie gerichtet, die u.a.auf einer offenen, uneingeschränkten Berichterstattung fußen. Wenn Sie meinen, diese opfern zu müsse, weil ein stärkerer Konkurrent (das vermute ich) Sie bedrängt, dann bedauere ich das über alle Maßen. Vielleicht würden Sie und Ihre Zeitung gerade gewinnen, wenn Sie sich nicht ducken, sondern die Konfrontation wagen.

ad 2.:

Sie schreiben:

Ich kann mit diesem Vorwurf umgehen, da ich im Gegensatz zu den beiden Herren der Überzeugung bin, dass Intelligenz manchmal der bessere Ratgeber ist als blinde ideologische Verbohrtheit.

Aus meiner Kritik, dass die ROSENHEIMER NACHRICHTEN über den Vortrag nicht berichtet haben, aus meinem einzigen Satz zur Thematik folgern Sie, mein Verhalten sei von „blinder, ideologischer Verbohrtheit“ gekennzeichnet.

Sie flüchten sich also zur Verteidigung in eine primitive, emotionsgeladene, reaktionäre Schablone, die selbstverständlich beleidigenden Charakter hat, um mich damit in eine Ecke abzudrängen, aus der heraus eine weitere Diskussion sich erübrigt. Weder als Privatperson noch als Kreisvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft will und kann ich mir Derartiges gefallen lassen. Ersparen Sie es mir, auf das dümmliche Dreigestirn von Blindheit, Ideologie und Verbohrtheit als Germanist näher einzugehen. Ich erwarte aber von einem Journalisten, dass er sich in der Lage zeigt, seine Kontrahenten nicht mundtot machen zu wollen, sondern mit Ihnen die kritische Auseinandersetzung zu suchen. Das haben Sie mit mir nicht einmal im Ansatz versucht. Und das ist mehr als bedauerlich. Und Ihr Fehlverhalten wiegt um so schwerer, als Sie es für nötig hielten, mit Ihren unausgegorenen, vorurteilsbeladenen Gedanken bezüglich meiner Person auch noch an eine gewisse Öffentlichkeit zu gehen.

Sie werden verstehen, dass ich eine persönliche Entschuldigung erwarte und eine entsprechende Information der Persönlichkeiten, die Sie mit Ihrem Schreiben unterrichtet haben.

In der Hoffnung , dass in der Zukunft die ROSENHEIMER NACHRICHTEN durch eine offene und faire und mutige Berichterstattung überzeugen,

verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Ihr Andreas Salomon
(GEW-Kreisvorsitzender)

Antwort Eike Schlüters

> Von: Eike Schlüter [...]
> Betreff: AW: Schreiben von Eike Schlüter, Ro.Na.
> An: "Andreas Salomon" [...]
> Datum: Montag, 10. August 2009, 22:48
> Sehr geehrter Herr Salomon,
> 
> vielen Dank für Ihre Mail. Es tut mir leid, wenn die
> Intention meines Schreibens vom vergangenen Mittwoch
> vielleicht etwas missverständlich war. Ich wollte weder
> irgendjemandem das Recht auf seine freie Meinungsäußerung
> absprechen noch irgendwelche ideologischen Debatten
> anstoßen. Selbstverständlich dürfen Sie den ROSENHEIMER
> NACHRICHTEN ein aus Ihrer Sicht "erschütterndes Verhalten"
> vorwerfen. Genauso wie Herr Prof. Weber uns Feigheit
> vorwerfen darf. Und genauso wie ich insbesondere Herrn Weber
> "ideologische Verborrtheit" vorwerfen darf (was ich im
> übrigen - anders als Sie beide - nur in einer Mail und
> nicht in einem Buch getan habe).
> 
> Insofern hätte ich mir den von Ihnen zitierten letzten
> Absatz meines Schreibens besser sparen sollen. Ich nehme
> diesen hiermit zurück und entschuldige mich dafür. Mir
> ging es mit meiner Mail nämlich natürlich keinesfalls
> darum, jemanden mundtot zu machen. Mir ging und geht es um
> die Arbeitsweise des Autors, für dessen Buch Sie ein
> Vorwort geschrieben haben und das von der GEW mitfinanziert
> wurde. Mir ging und geht es um zahlreiche grobe Verstöße
> gegen presserechtliche Bestimmungen und die journalistische
> Sorgfaltspflicht.
> 
> Auf ein Statement zu diesen Verstößen warte ich bisher
> vergeblich. Vermutlich weilt Herr Prof. Weber im Urlaub.
> 
> Ich hätte Ihnen mein Schreiben vom vergangenen Mittwoch
> übrigens gerne direkt zukommen lassen. Aber leider stand
> auf der Webseite der GEW Rosenheim nur die Mailadresse von
> Herrn Schober. Ich war mir jedoch sicher, dass er die Mail
> an Sie weiterleiten würde.
> 
> Mit freundlichen Grüßen
> 
> 
> Eike Schlüter
> Geschäftsführer, Chefredakteur
> 
> INNdependent Media GmbH - Zeitungsgruppe ROSENHEIMER
> NACHRICHTEN

1 Antwort auf “Stellungnahme Andreas Salomons zu Eike Schlüter sowie dessen Antwort”


  1. 1 Kathrein & Döser - Profiteure der Nazis? Trackback am 12. September 2009 um 12:46 Uhr
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